Die Schöpfer der Wolken - Auszug


Die Löcher, die die Dimensionen in die Welt gefressen haben, sind tief und irreparabel. So schwer ist der Raum mit der Realität kollidiert, dass das Beben der Länder und Meere selbst die gewaltigsten Gebäude der Welt in die Knie gezwungen hat. Metallstreben ragen schief aus ihren Verankerungen, hoch über den Straßen sinken die Stockwerke immer weiter ab und auf den letzten Dächern sammeln sich Scherben und Schmutz.
Sitzt man dort oben, am höchsten Punkt der neuen Welt, kann man hinaufschauen und vielleicht einen Blick auf das werfen, was der Himmel verborgen hält. Ein Land zwischen den Wolken. 
Ein Land voller Regenbogen, Uhrwerke, Träume und Geister, schwebend auf einer Stadt wie eine umgedrehte Pyramide. Ein Land voller Lachen und Pastellfarben. Ein Land voller Glück.
Der Wind weht nicht mehr um die verblichenen Gerippe der Wolkenkratzer, der Regen spült die Straßen nicht mehr aus. Mit der Erde muss auch die Sonne neu geboren sein.
Hoch über den Straßen lässt eine junge Frau ihre Beine über dem Abgrund baumeln. Das Licht bricht sich funkelnd in ihren hellen Augen, die nach oben gerichtet sind, in der Hoffnung, mehr zwischen dem grellen Weiß und dem strahlenden Blau zu erkennen, als ein gewöhnlicher Mensch sehen kann. Für die Zerstörung um sie herum interessiert sie sich nicht mehr. Sie kann es nicht, das würde sie zerbrechen.
Und sie murmelt: Im Dunkel leuchte ich. Im Sturm beruhigt sich mein Herz. Der Gedanke – so komplex wie nur möglich – manifestiert sich im bleichen Nebel vor meiner Stirn.
Wer bin ich?
Wer bin ich?
Wer bin ich.

- Die Schöpfer der Wolken
Heute ein kleiner, neuer Auszug aus Kapitel 35, an dem ich gerade arbeite.

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Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

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