Scherbenhaufen aus Gedanken


An einigen Tagen fühlt es sich an, als sei ich ein Minenarbeiter, der sich Tag für Tag ein wenig selbst abträgt. Als schlüge ich mit jedem Wort, das von meinen Fingern in das Dokument fließt, einen großen Brocken aus mir heraus, um ihn dann sauber und ordentlich neben den anderen Splittern meiner Selbst auf der Seite zu sortieren.

Am Ende habe ich dann mehr in der Hand als ein paar mit Buchstaben bedruckte Blätter, die zwischen zwei Buchdeckel gepresst wurden. Es ist ein Scherbenhaufen aus Gedanken, fein säuberlich zusammengelegt. Er glänzt und glitzert, aber er hat auch Splitter, Ecken und Kanten. Es ist nur allzu leicht, sich daran zu schneiden und zuzusehen, wie das Blut sich mit dem Kunstwerk vermischt. Und das mag man schön oder furchtbar finden. Wie man es will.

An einigen Tagen frage ich mich, was ich eigentlich bin: Künstler oder Stratege? Oder Architekt? Vermutlich von allem ein bisschen. Mit jeder Seite, jedem Gedanken, jedem Brocken, den ich aus mir herausschlage, therapiere ich mich selbst ein wenig. Und mit jedem dieser Splitter baue ich mühevoll das Konstrukt der Geschichten, die all diese Gedanken ergeben. 

Ich weiß nicht, ob es danach überhaupt noch etwas zu sagen gibt, wenn mein Innenleben ganz abgetragen und alle Worte geschrieben sind. Wer weiß.

2 Kommentare:

  1. Ich bin sprachlos, und wenn das passiert, dann hat etwas meine Seele berührt. In Worte gefasst, was ich seit ich denken kann versuche.
    DANKE!

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    1. Wow, tausend Dank für deine lieben Worte. Es freut mich, dass dir Worte dich erreichen und dass du sie verstehen kannst. Das ist mehr, als ich erwarten kann, wenn ich Dinge so tief aus meiner Seele herausschreibe ♥

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Lernt mich kennen

Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

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