Gedankenherbst


Für gewöhnlich hüte ich mich davor, Negatives zu schreiben, denn mit dem Schreiben wird es realer und mit dem Veröffentlichen nicht mehr zurückzuziehen. Ich möchte kein Mitleid und doch brauche ich einen Ort, um Gedanken zu teilen, die nirgendwo anders geteilt werden können. Nicht wirklich.
Der Gedanke ist, dass der Herbst in mein Leben eingezogen ist oder zu sein scheint. Als wäre der Sommer meiner Gedanken kälter und kälter geworden ohne dass ich es bemerkte. Und eines morgens wachte ich auf, um vor dem Fenster Nebel und Regen zu sehen. Die Kälte ist in meinen Alltag geschlichen und ich bekomme sie nicht mehr heraus.

Ich fühle mich einsam. Vielleicht bin ich so ruhelos, weil ich nicht wahrhaben will, was mir fehlt: Menschen, die sich interessieren. Menschen, die einfach mal anrufen und fragen, wie es mir geht, ohne dass mehr dahinter steckt. Die einfach mal schreiben, um zu fragen, ob ich vorbei kommen will, um etwas zu unternehmen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, seit wann es sie nicht mehr gibt. 
Seitdem nach dem Studium alle die Stadt verlassen haben, während ich hier blieb, um in der Nähe Arbeit zu finden? Seitdem meine Eltern nicht mehr anrufen, es sei denn, es ist irgendetwas Außergewöhnliches passiert? Seitdem mir klar geworden ist, dass meine Kollegen immer nur meine Kollegen sein werden und nie meine Freunde?
Ich weiß es nicht. Die wenigen Menschen, die mir noch hier geblieben sind, melden sich selbst nie, und ich habe keine Energie mehr, ihnen hinterherzulaufen. Sie alle haben ihre eigenen Leben, von denen ich kein Teil bin. Nicht wirklich. Und meine alten, wirklichen Freunde, vergnügen sich daheim oder verstreuen sich über ganz Deutschland.  

Ich will nicht mehr hier sitzen und nachdenken. Ab und an brauche ich Ruhe, aber es wäre zu schön zu wissen, dass es irgendwo in der Nähe jemanden gibt, der sich interessiert. Der sich freut, wenn ich anrufe, der zuhört, wenn ich etwas zu sagen habe. Der mich wieder ein wenig in die Welt integriert - in egal welche. Aber mehr und mehr verliere ich die Hoffnung, so etwas hier - in dieser Umgebung - je wieder zu finden. So viele Menschen um mich herum, doch niemand sieht wie einsam ich eigentlich bin; niemand bemerkt es, was ich auch sage. Aber wer bin ich auch schon. 

10 Kommentare:

  1. Oh, wie ich das Gefühl kenne, wirklich. Ich weiß gar nicht, was ich sonst noch dazu schreiben soll.. Es ist ein trauriges Gefühl, und wie. Aber, glaub mir, es wird auch anders, ganz bestimmt, daran glaube ich.

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    1. Ich hoffe. Bisher ist es sehr schwankend, aber die Vorbereitung der Buchmesse lenkt mich etwas ab. Aber richtig erfüllt fühle ich mich noch immer nicht. Ich frage mich, wohin das noch alles führt, aber ich bin sehr gewillt, selbst etwas zu unternehmen, falls ich bemerke, dass es nicht besser wird.

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  2. Hallo Marie!

    Ich kenne da. Nachdem ich die 10. Klasse beendet habe und nun ein Berufskolleg besuche habe sich alle meine Freunde verstreurt, der eine jagt seinen Tagträumen hinter der andere macht ne abgefahrene Tour durch die Welt mit so wenig Geld, dass es gerade mal für den Tag reicht und der andere sucht Befriedigung von seinem Job.

    Nun ja ich....ich sitze hier. Versuche ein Buch zu schrieben (an meinen Träumen festzuhalten) und muss mich immer wieder der Frage stellen: Gehe ich ein Risiko ein indem ich ein Schauspielstudium anfange und damit von zu Hause rausgeworfen werde. Oder tue ich das, was meine Eltern mir sagen. Schon seit Monaten quält mich die Frage und leider habe ich niemanden mit dem man darüber quatschen kann: Entweder sie sind beschäftigt oder man hört mir nicht zu. Beides ist schrecklich.

    Ich habe das Gefühl, dass das Leben daraus besteht, dass ich mechanisch funktioniere aber nicht Lebe. Niemand ist da, der mir mal einfach zu hören kann. Niemand ist da über mal zu quatschen und zu lachen. Deswegen kann ich jetzt indem Moment ganz genau verstehen wie du dich fühlst. Wenn du mit jemanden reden willst, sei es per Post, Mail, Whatsapp, Telefon einfach weil du reden möchtest. Ich stehe zu verfügung. Himmel, ich klinge wie ein perverser 50 oder so. XD Der ich übrigens nicht bin ^^

    Alles Liebe, Ally die jetzt Anonym bleibt, weil sie zu faul ist um sich ei Google anzumelden.

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    1. Hey Ally, wie lieb von dir und auch vielen Dank für dein Angebot. Sorry, dass ich erst jetzt antworte, aber ich hatte in letzter Zeit ein solches Tief, dass ich mich gar nicht dazu durchringen konnte, noch auf die Kommentare hier einzugehen. Besser ist es inzwischen noch nicht, aber die Vorbereitung der Buchmesse lenkt mich zumindest ein wenig ab.

      Ich finde es traurig, dass offenbar so viele Menschen das Gefühl verstehen, denn ich gönne es wirklich niemandem. Ich dachte anfangs, ich würde mir das alles nur einbilden, denn ich neige zu schlechten Phasen. Aber zurzeit häufen sich die Anzeichen dafür, dass ich in mein Umfeld einfach nicht hineinpasse. Klar, es ändert sich auch beständig, aber das ändert nichts an der Grundvoraussetzung, dass die Menschen, die ich zurzeit am häufigsten sehe, ganz offenbar nichts mit mir anfangen können. Was ich niemandem verüble, denn ich weiß, dass ich ein sehr spezieller Mensch bin :) Aber es ist eben auf Dauer sehr anstrengend und ich werde schauen, was ich daran ändern kann. Das Leben ist ja noch lang und viele Wegen stehen mir offen :)

      Liebe Grüße
      Marie

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  3. liebe marie - dass du niemand bist, diesen Gedanken darfst du einfach nicht zulassen.
    du bist ein mensch, ein guter, begabter. du bist wichtig. und ohne dich sähe die Welt ganz, ganz anders aus.
    kälter. du kannst mir ruhig glauben. es tut mir leid, dass dir menschen fehlen, die sich interessieren. aber weil es sie
    jetzt nicht gibt, heißt das noch lange nicht, dass das so bleiben wird. du wirst sie kennen lernen. genau wie du noch
    so viel mehr von der Welt und dir selbst kennen lernen wirst. das alles ist nicht permanent, sondern wandelbar.
    es wird gut werden. bitte glaub daran. das leben ist ein buch und du, nur du, schreibst die Zeilen.

    alles liebe - sophy

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    1. Vielen, vielen Dank für deine lieben Worte ♥
      Ich weiß, dass es diese Menschen gibt, denn ich kenne sogar viele von ihnen. Aber leider sind sie entweder sehr weit weg oder ich sehe sie nur sehr selten. Und in meinem aktuellen Umfeld gibt es einfach niemanden, der mir das Gefühl gibt, dass es irgendwie ... von Belang ist, ob ich da bin oder nicht. Dieses Gefühl, egal zu sein, verstärkt sich von Tag zu Tag. Und auch, wenn es nun während der Messe-Zeit besser wird, bin ich sicher, dass es danach wieder steil mit mir bergab geht. Ich passe einfach nicht in mein aktuelles Umfeld und ich werde es wahrscheinlich auch nie. Die Menschen sind nett, aber komplett anders als ich, was so eine unsichtbare Mauer schafft. Das liegt vor allem an mir; ich bin halt ein recht komischer Mensch, der sich nicht so gut anpassen kann, das weiß ich.
      Dass es aber Umfelder gibt, in denen ich dieses Gefühl ganz und gar nicht habe, bestärkt mich in dem Wissen, dass ich nicht so muss. Ich werde also einfach schauen, wie es sich entwickelt, in der nächsten Zeit. Wer weiß, vielleicht wird es ja auch wieder besser und es stellt sich nur als eine weitere Phase heraus. Oder es gibt Veränderungen, die es besser machen. Wenn nicht, muss ich schauen, wie ich in Zukunft damit umgehen werde.

      Vielen Dank für deine Worte ♥

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  4. Hey das kenne ich ebenfalls bei mir meldet sich auch selten jemand. Aber einsam bin ich zum Glück noch nicht. Dennoch habe ich einen kleinen Tipp, schau doch mal in deiner Stadt nach ner Sportgruppe oder nem Fotoclub etc. da lernt man wieder viele Menschen kennen, die gleiche Interessen haben und daraus können sich dann Freundschaften entwickeln :)

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    1. Vielen Dank ♥ Das ist ein guter Tipp, wenn auch nur schwer zu realisieren. Ich stehe morgens 7 Uhr auf, fahre direkt zur Arbeit, bin dort dann meist bis 19 Uhr und fahre heim. Dann bin ich etwa 20:30 zuhause. Abendbrot essen, duschen Co. - dann kann ich schon fast wieder ins Bett. Und in den wenigen Zeiten dazwischen schreibe ich.
      Das ist wohl das Blöde an meinem Hobby; es ist einfach nicht sehr gesellig. Aber: Ich habe eine Schreibgruppe hier in Mainz. Ich habe sie wegen der Arbeit schon lange nicht mehr besuchen können, aber es täte vielleicht mal wieder gut, sie zu treffen :)

      Danke für deine liebe Aufmunterung und sorry, dass ich heute erst antworte.

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  5. Jeder hat mal Tiefs und in denen darf man leiden :-) Aber gib die Hoffnung nicht auf :-) Rausgehen und einfach reden. Natürlich behebt das nicht die Ursachen, aber es betäubt und zeigt dir, dass es noch andere Menschen außer dir gibt - das kann sehr erfrischend sein :-) Und vlt. findet sich jemand, der sich deiner annimmt!

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    1. Danke, das ist ein guter Tipp!
      Aber gerade bei den Menschen in meinem Umfeld habe ich es jetzt schon wirklich lange mit Reden versucht. Das Problem ist, dass wir einfach nicht auf einer Wellenlänge sind. Das kann ja immer mal sein; es sind einfach ganz andere Interessen und Lebenseinstellungen daran Schuld und dass ich nicht wirklich jemanden zum Kommunizieren habe, liegt wohl vor allem an mir. Ich bin schon eigenartig :) Deswegen vielleicht auch mit nicht so viele Menschen kompatibel. Ich bin halt eher der ... grüblerische Philosoph, der sich gern oft noch kindisch verhält und ... ja. Ich bemerke oft, dass sich die anderen in meinem aktuellen Umfeld null für mich interessieren und dass ich auch nicht viel zu sagen habe. Das ist schon doof, aber wohl nicht zu ändern. Und das ist auch nicht das übliche Tief, sondern leider sehr real und auf Dauer sehr anstrengend. Aber ich werde mal sehen, wie ich "da herauskomme". Vielleicht sollte ich versuchen, mein Herz nicht mehr so da reinzustecken und mir vor allem neue Leute von außerhalb suchen. Dann klappt es ja vielleicht schon :)

      Liebe Grüße
      Marie

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Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

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