Die ewige Wunde


Für gewöhnlich erinnere ich mich an dich, wenn ich mich übergebe. Als würde sich irgendwo in dem sauren Geschmack eine kleine Erinnerung an dich verstecken. Vielleicht, weil du schon so oft dabei warst, wenn es mir schlecht ging. Oder vielleicht, weil es sich wieder und wieder so anfühlt, als wärst du die Person, die ich unter Anstrengung hochwürge und für immer im Klo runterspüle. 

Vielleicht ist an dieser Stelle eine Erklärung förderlich: Das Herz ist ein verdammt robustes Ding. Das Verrückte daran ist, dass jeder eins hat und alle verflucht Acht darauf geben, aber irgendwann bricht es doch. Bei jedem. Egal wie. Bei einigen ist es das Leben lang heil und zerreißt irgendwann mit einem schmerzhaften Ruck. Bei anderen ist es eine dieser ewigen Wunden, an denen man selbst so oft kratzt und pult, bis der Schorf sich löst und sie wieder zu bluten beginnen.

Wenn es bei mir einen Verursacher dieser ewigen Wunde gab, dann bist du es. Du hast die Schwachstelle in mir gesucht, von dem Moment an, als wir uns kennenlernten. Diesen Schnitt, irgendwo zwischen meinen Organen, von dem ich selbst noch nicht wusste, dass es ihn gibt - als hättest du Salz in meinen offenen Mund geschüttet, mich kräftig geschüttelt und dann darauf geachtet, wo es mich schmerzt. Hat dir mein Blut die Pfade gezeigt, auf denen du jetzt wandelst? Ich hoffe, sie führen dich nicht in die Irre, denn das ist der Ort, an den du mich bereits geschickt hast. 

Ich denke an dich, wenn ich mich übergebe. Wenn Asche sich mit jedem Schlag durch den kleinen Schnitt aus meinem Herzen drückt. Wenn meine Gedanken leer sind, aber mein Kopf voll von irgendetwas, das ich weder fassen noch erklären kann; von diesem endlosen Wunsch, dich wieder lächeln zu sehen.


- Nebelecho (Kernstaub III)
(Ein kleiner Auszug, der mir schon lange im Kopf herumgeisterte.
Er ist aber eher ein Spin-Off und wird in dieser Form nie wortwörtlich im Roman vorkommen, vermute ich.)

4 Kommentare:

  1. Mir gefällt dein Schreibstil und auch deine Bücher hören sich interessant an :)
    Ich schreibe selbst auch gern, aber vor allem für mich, ich bezweifel, dass ich irgendwann etwas veröffentlichen werde :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen lieben Dank! Und ach, sag niemals nie. Ich habe die Sache am Ende ja auch nur deswegen selbst in die Hand genommen, weil ich meinen Text mit der Welt teilen wollte. Ich denke, solange man die Leidenschaft und den Spaß daran immer vor Augen hat, kann es gar nicht schief gehen :) Viel Erfolg!

      Löschen

 

Lernt mich kennen

Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

Die Bücher

Aufrufe

Instagram

Follower