Rezenion: Brandis & Ziemek - Schatten des Dschungels


Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg
Erschienen: 24. Januar 2012
ISBN-10: 3407811071
ISBN-13: 978-3407811073
Altersempfehlung: Ab 13


INHALT
Die Welt im Jahr 2025. Für die leidenschaftliche Naturschützerin Cat geht ein Traum in Erfüllung, als sie an einem Artenschutzprojekt im Regenwald von Guyana teilnehmen darf. Zumal auch Falk dabei ist, Cats große Liebe. In den Wäldern Guyanas erwartet Cat und Falk einer der letzten unberührten Lebensräume der Erde, eine fremde, faszinierende Wildnis. Aber auch hier planen Konzerne bereits die rücksichtslose Zerstörung. Cat ist wütend und hilflos – bis Falk ihr gesteht, warum er wirklich in Guyana ist: Es gibt einen letzten, radikalen Weg, um die Vernichtung der Wälder aufzuhalten. Plötzlich steht Cat vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: Soll sie bei Falks gefährlichen Plänen mitmachen oder muss sie ihn aufhalten?


WEBSITE
www.schattendesdschungels.de


ÜBER DIE AUTOREN
Katja Brandis, geb. 1970, ist seit vielen Jahren begeisterte Taucherin. In den Meeren dieser Welt hat sie unvergessliche Begegnungen mit Haien, Rochen und Delfinen erlebt. An Land arbeitet sie als freie Autorin und hat bereits zahlreiche Abenteuer- und Fantasyromane für Jugendliche veröffentlicht. Sie lebt mit Mann und Sohn in der Nähe von München.

Homepage
Für Hans-Peter Ziemek, geb. 1960, ist die Welt unter Wasser nicht nur Passion, sondern auch Forschungsgegenstand: Als Biologe und Professor für Biologiedidaktik an der Universität Gießen arbeitet er mit seinen Stundenten regelmäßig an den Aquarien des Instituts – in denen unter anderem auch ein kleiner, sehr intelligenter Krake lebt ...


MEINE MEINUNG
Ich habe dieses Buch bereits Anfang des Jahres gelesen, gleich nachdem es erschienen war. Weil ich danach aber erst einmal wieder herunterkommen musste, habe ich mich damit begnügt, Notizen zu machen und das Schreiben der Rezensionen nach hinten zu verschieben. Nachdem nun aber Ewigkeiten vergangen sind, ringe ich mich doch einmal dazu durch, meine Meinung zu verfassen. 

Ich bin ehrlich gesagt regelrecht schockiert von all den fast durchweg positiven Rezensionen bei Amazon, Lovelybooks und Co. Denn ganz ehrlich, dieses Buch ist eins der schlechtesten, die ich je gelesen habe. Der Schreibstil ist extrem lieblos und wirkte streckenweise einfach nahezu dahingeklatscht. In einem Buch, in dem es eigentlich um die Erhaltung der schönen Natur gehen soll, hätte ich mir zumindest ein wenig mehr Gespür für Details gewünscht, Beschreibungen von Natur, Wetter, Bäumen - aber selbst die Passagen im Regenwald waren knapp gehalten, farblos - und wenn es Beschreibungen gab, dann waren sie lasch und farblos.

Der supertolle, echt gut aussehende und mysteriöse Kerl taucht bereits auf den ersten 2 Seiten auf und natürlich verliebt man sich sofort in ihn. Gut, damit hatte ich nach der Inhaltsabgabe auch gerechnet; aber es stört mich einfach so sehr, dass nach dem ersten Blickkontakt und zwei ausgetauschten Sätzen bereits von "Liebe" gesprochen wird - und das bereits auf den ersten Seiten des Buches - das war sehr nervig. Auf den nächsten 20 bis 50 Seiten findet man nahezu auf jeder Seite irgendwo das Wort "verliebt". Alle anderen Personen werden ausgeblendet, bleiben flach. Die einzige Beschreibung, die man in diesem Buch von Menschen erhält, sind Name und Haarfarbe - alles andere ist ja eh nicht wichtig.
Besonders auffällig stechen die eindeutigen Bemühungen der Autoren ins Auge, die Personen eben nicht flach wirken zu lassen - was aber leider nur ins Lächerliche abdriftet und dem Leser sofort auffällt. So ist Falk zwar super gut aussehend und super mysteriös und sexy; aber er hat LRS. Oder die äußerst suspekte Geschichte von einer Begleiterin der beiden im Dschungel, die früher einmal ein Mann war, sicher aber hat umoperieren lassen; deren jeder zweiter Satz aber ist "Damals, als ich noch ein Mann war ..." - Klar. Normal. Diese und viele solcher Details fallen beim Lesen immer wieder auf, weil sie zeigen, dass hier krampfhaft versucht wurde, etwas Außergewöhnlich und anders zu gestalten. Leider fallen diese erzwungenen Bemühungen beim Lesen nur allzu sehr auf. 

Sehr lustig war auch die Dummheit der Charaktere generell. Gut, es geht um Jugendliche. Und gut, nicht jeder Mensch handelt immer logisch. Aber ich frage mich ganz ehrlich, was sich die Autoren beim Schreiben einiger Szenen gedacht haben, denn ganz ehrlich, das war der absolute Gegensatz zum Naturschutz, wurde aber so hingestellt, als sei es welcher. Beispielsweise Falk, der nicht in einem Haus oder einiger Wohnung wohnt - nein, sondern in einem Zelt im Natuschutzgebiet. Cat findet das natürlich absolut beeindruckend (Klar, normale Reaktion. "Ein Obdachloser - Wie beeindruckend!" Denke ich auch immer.). Wie der Typ sich dort aber versorgt und woher sein Strom für seinen kleinen Kühlschrank kommen, wo er seinen Müll entsorgt und wo (oder ob) er sich wäscht, wird nie erwähnt. Für ein Buch, das zum Naturschutz anregen soll also die eindeutig fragwürdige Aufforderung: "Nisten wir uns alle im Naturschutzgebiet ein, denn das ist total cool."
Zweite Sache in dieser Richtung, über die ich selbst beim Lesen nur den Kopf schütteln konnte: Die beiden freiwillig arbeiten bei einer Naturschutzorganisation und lieben Wälder und Natur mehr als alles andere. In einer der Szenen jedoch (warum auch immer, ehrlich) laufen sie in den Stadtpark und überkleben alle "Betreten verboten" Schilder für den Rasen und das Parkgelände. Zweite fragwürdige Aussage des Buches für Naturschutz: "Lasst uns alle 'Betreten verboten' Schilder für alle Parks abreißen, damit die Menschen die Natur platt treten können." Alles klar. 

Nachdem dann einfach mal 6 Monate übersprungen werden, in denen man vielleicht die Chance hätte bekommen können, Cat und Falk kennenzulernen um ihre vollkommen weiter hergeholte "Liebes"geschichte verstehen zu können, geht es in den Regenwald und man verliert sich dort in recht dumpf beschriebenen Alltag. Hier beginnt der Part des Buches, der eigentlich richtig cool hätte sein können, denn die Idee dahinter ist in meinen Augen schon recht genial. Bioterrorismus ausgehend von Naturschützern, die die Nase voll haben, ist immerhin eine wirklich denkbare Zukunftsvorstellung. Leider sind diese Parts aber auch nicht besser oder logischer beschrieben als der Rest des Buches davor und deswegen mehr als enttäuschend. Jede Doku und jede Beschreibung in einem Reiseführer ist atmosphärischer als der Pseudo-Regenwald in diesem Buch. 

Das Ende ist das einzige, wofür dieses Werk selbst einen Punkt von mir bekommt, weil sie es hier tatsächlich geschafft haben, mich doch noch zu überraschend und alles nicht flach und vorhersehbar enden zu lassen, sondern Falks Charakter tatsächlich konsequent bis zum Ende durchzuziehen. Dieses Ende war besser und vor allem glaubwürdiger als der gesamte Rest des Werkes.

Einen weiteren Punkt gibt es am Ende für die eigentliche Idee und Intention der Autoren. Besonders das Nachwort war mir dann noch einmal richtig sympathisch und ich dachte mir "Wow. Ich würde dieses Buch echt gern mögen". Tue ich aber nicht und ich glaube, dass viele der guten Rezensionen nur daher herrühren, weil dieses Nachwort überzeugt. Die Autoren weisen darauf hin, dass der Bioterrorismus, wie er in diesem Buch beschrieben wurde, noch nicht existiert, durchaus aber Wahrheit werden könnte; dass es aber heutzutage vor allem viele Organisationen und Einrichtungen gibt, die sich friedlich daran machen, die Natur zu schützen und zu retten. Ich finde es in dem Sinne gut, weil sie nicht nur zum Naturschutz aufrufen, sondern mit diesen Aussagen den eventuell entstehenden Drang, in diesem Bereich aktiv zu werden, kanalisieren und darauf hinweisen, was man tun kann und wie man sich nützlich machen kann, wenn man möchte. Und das gibt von mir am Ende dann doch noch einmal ein Daumen hoch. 

FAZIT
Hier hatte jemand eine gute Idee und eine sehr gute Intention. Naturschutz ist auf jeden Fall etwas, das gerade in unserer heutigen Zeit sehr wichtig ist und ich finde es sehr gut, dass es Autoren gibt, die darauf hinweisen wollen. Leider täuscht die Intention der Autoren aber nicht über die grottenschlechte Liebesgeschichte (die man sich auch wirklich wirklich hätte sparen können), die flachen Charaktere und den lieblosen, dahingeschmierten Schreibstil hinweg. Ich habe mich wirklich sehr durch dieses Buch quälen müssen und war heilfroh, als ich endlich damit durch war.

Am Ende gibt es von mir leider nur 1,5 Sterne. Schade.


0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

 

Lernt mich kennen

Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

Erinnerungen

Die Bücher

Aufrufe

Instagram

Follower