Warum ich zerbreche


Es gibt Ebenen, auf denen wir stehen, und uns entscheiden müssen, wohin sie uns tragen - hinab oder hinauf. Es gibt Wege, die sich spalten und wir müssen entscheiden, welcher Richtung wir folge; welchen Pfad wir beschreiten. Am Ende bestimmen unsere Wünsche die Zukunft, ob wir Träume verwirklichen oder nicht. Auch wenn manch ein Traum nicht verwirklicht werden kann. 

Ich bin ein Künstler, wie viele andere; nur ein einziger unter vielen und nicht besonderer und außergewöhnlicher als andere auch. Der Wandel meiner Gedanken und Ansichten begleitet mich bereits mein Leben lang und ich weiß, dass es gute und schlechte Phasen gibt. Gute Phasen, in denen ich vergessen kann, wie sinnlos und verkorkst mein Dasein ist - und schlechte Phasen, in denen es mir bewusst wird. 

Es gibt Menschen, denen es schlechter geht als mir. Hunderte, tausende, Millionen Menschen, die es eher verdient hätten, zu leiden und zu zerbrechen als ich und doch ändert das nichts daran, dass ich es tue. Stärke und Selbstbewusstsein waren mir schon immer fremd, weil es nichts gibt, für das ich Kämpfe. Flüchtige Freundschaften durchziehen die Tage wie dünne Adern, die mich nicht an das Leben ketten. Meine Familie interessiert sich nur dann für mich, wenn es etwas gibt, worüber sie sich beklagen kann; ob ich zu demotiviert in der Uni bin, zu viel Zeit vor dem PC verbringe oder zu viel schreibe, weil das ja sowieso alles sinnlos ist. 

Was kann ich also tun, um glücklich zu werden? Ich bin schon seit Jahren davon überzeugt, dass ich ein Mensch bin, der eigentlich gar nicht glücklich sein kann; zufrieden ja, aber nicht wirklich froh, nicht wirklich erfüllt. Ich akzeptiere das Leben, aber ich denke manchmal, das Leben akzeptiert mich nicht. Und doch wünsche ich mir schon seit ich klein bin nur eines: Ich möchte etwas bedeuten. Nicht vielen Menschen und auf gar keinen Fall allen. Ich möchte nicht berühmt sein, kein Superstar oder sonstjemand, der den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als schön auszusehen und zu grinsen. Es würde mir reichen, allein schon einem Menschen etwas zu bedeuten - und wenn es nur ich selbst wäre. 
Das Problem ist, dass ich denke, ich wäre besser dran, wenn ich alles einfach abschalten würde und selbst dann würde es niemanden stören. Meine Familie würde darüber hinwegkommen, weil sie sowieso immer nur der Sonderling war, meine Freunde kennen mich nicht wirklich, denke ich, weil ich so selten über das spreche, was mich berührt. Und am Ende würde es nicht einen Menschen geben, der nicht darüber hinwegkommen würde, wenn ich nicht mehr da wäre. 

Man sagt mir, dass ich mich vielleicht besser fühlen würde, wenn ich meine aktuellen Texte veröffentliche, damit mein Selbstbewusstsein gestärkt wird und ich vielleicht auch wieder das Gefühl habe, etwas wert zu sein. Und so gern ich dieses Gefühl verspüren würde, kann ich mich nicht dazu entscheiden, mich mit meinen Werken an Verlage zu wenden und mich vielleicht in diesen endlos großen Markt einzureihen, in dem meine in hunderten von Stunden geschaffenen Texte verscherbelt werden wie Brötchen.
In dem Moment, in dem ich meine Kunst für Geld verkaufe, ist sie weniger wert, denke ich. Der wahre Künstler ist in meinen Augen jemand, der nur für der Kunst selbst lebt und nicht für ihren Verkauf; nicht, um durch sie berühmt oder reich zu werden, sondern um Dinge zu schaffen, wie sie bisher noch niemand anderes erschaffen habt. Um Welten zu erkunden und in ihnen aufzugehen, bis der finale Punkt der Vollkommenheit erreicht ist und man alles gesagt hat, was man sagen konnte. 

Und trotzdem gehe ich in diesen Gedanken unter, weil man als Autor, der nichts veröffentlicht, als jemand gilt, der nichts erreichen kann und nichts erreichen möchte. Alle schlagen sich um die lächerlichen Plätze bei irgendwelchen Verlagen und niemand lauscht auf die stillen Stimmen zwischen dem ganzen Geschrei, das die Welt erfüllt. Dabei ist es nicht so, dass ich nichts erreichen wollen würde - ich möchte es nur fern all des Kommerzes tun, in meinem Herzen, in das ich vielleicht einige wenige lasse; einige wenige, von denen ich denke, dass sie es verstehen. 

Aber ich fühle mich unbeachtet, ungehört und wertlos. Auch wenn ich weiß, dass es nicht so sein sollte. Ich zerbreche an dem, was ich gern wäre und genau aber wegen dieser widersprüchlichen Einstellungen nicht sein kann. Ich beneide Menschen, die mit ihren Texten die Welt verändern können oder es zumindest versuchen. Und ich beneide Menschen, die es schaffen, über ihren eigenen Schatten zu springen, zu veröffentlichen und sich in all dem Ruhm zu sonnen, der ihr Selbstbewusstsein stärkt. Für mich hingegen aber gibt es nur Leere und die Abgründe, in die sich schaue, während sich all der Trubel weit über mir abspielt. Für mich gibt es nur Leere, weil alles so unendlich sinnlos ist. Und ich frage mich, warum ich überhaupt noch hier bin, wo es doch so leicht wäre, alles einfach hinter mir zu lassen.

13 Kommentare:

  1. Hey, ich kenne das Gefühl und weiß gar nicht, was ich groß dazu sagen soll. Trotzdem habe ich auf gewisse Weise das Bedürfnis, die einen Kommentar hier zu lassen. Obwohl du die Sprüche wie "Kopf hoch, du kannst das" oder "Ach das wird schon" wahrscheinlich schon genauso oft gehört hast, wie die Menschheit alt ist. Deswegen wünsche ich dir einfach alles Gute (:

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  2. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Aufmunterungen sind natürlich immer so eine Sache; weil es hier ja vor allem darum geht, dass ich ein Problem mit mir selbst habe, das ich nicht lösen kann. Es freut mich aber, dass ich zumindest einen mit dem Text erreichen konnte. Deswegen vielen Dank dafür :')

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  3. Ich hoffe, dir offenbart sich irgendwann ein Ausweg, irgendwas, das du nicht bedacht hast - ja, sowas passiert :)
    Und trotzdem, ich glaube, die Seele eines echten Künstlers ist nunmal unruhig - sonst gäbe es nichts, das gesagt werden muss. Vielleicht wird dir diese innere Uneinigkeit und das Zerrissensein für immer bleiben, und vielleicht ist das gar nicht schlecht. Es zeigt, dass du nicht mit allem im Reinen bist, und die Welt ist das auch nicht. Vielleicht ist diese Unruhe eine positive Eigenschaft, denn sie bewahrt dich davor einzuschlafen und allzu zufrieden zu sein. Vielleicht, vielleicht...
    Übrigens, das Design ist toll!

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  4. Danke für deinen Kommentar und deine lieben Gedanken dazu. Du hast natürlich recht, dass ich vermutlich ohne all diese Gedanken nicht einmal schreiben würde - nicht diejenige wäre, die ich bin. Manchmal denke ich aber, dass das auch ganz gut so wäre. Ich wäre lieber ein dumpfer Mensch, der mit seinem Leben zufrieden sein kann, als jemand, der die ganze Zeit nur an seiner eigenen Existenz zweifelt und nur knapp am Leben entlangschabt.
    Ich meine, wenn die Düsternis der Gedanken wenigstens etwas anderes bringen könnte, als Selbsthass und Zweifel, dann wäre es ja in Ordnung. Aber sie bringt mir nur meine Texte und ein kaputtes Leben - und mit beidem kann ich nicht viel anfangen. Hm.

    Danke für deine lieben, aufmunternden Worte. Und freut mich sehr, dass dir das Design so gut gefällt <3

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  5. Liebe Marie, ich wünschte, ich wäre in der Lage, aus unzähligen Gedankenfetzen solche Texte zu schreiben. Und sei es nur für diesen Kommentar...

    Es ist völlig egal, wie viele andere Menschen es gibt, denen es schlechter geht. Leid lässt sich nicht aneinander messen. Und unerfüllte Bedürfnisse - egal, ob nach Essen oder nach Liebe - sind für den am schlimmsten, der sie hat. So ist das einfach.

    Ich mag sehr, was du schreibst. Es berührt mich ganz oft. Deine Texte hier und auch deine Tweets. Mir persönlich würdest du sehr fehlen.

    Und zu deinem letzten Satz: die Antwort ist, weil es eben so leicht wäre. Es ist keine Herausforderung, den einfachsten Weg zu gehen. Es ist zu einfach (wenn nicht gar feige). Das war zumindest, was mich damals abgehalten hat...

    Alles Liebe
    Sandra (Frau Wörmchen)

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  6. Danke für deinen Kommentar, liebe Sandra. Deine Worte bedeuten mir wirklich viel. Danke :')

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  7. ich fände es wirklich unglaublich schade, wenn du aufgeben würdest!
    Wirklich, ich freue mich über jeden einzelnen Post in deinem Blog! Und ich weiß ganz genau, wie du dich fühlst, mir gehts zur Zeit recht ähnlich. Es ist bei mir zwar nicht das Schreiben, sondern die Musik, aber das kommt zu 100% aufs selbe!!

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  8. Du, gib dich nicht auf. Bitte.
    Du bist eine Tolle. Soweit ich das hier einschötzen kann. Ich lese nur still mit, aber gerne.. und du, du darfst dein Besonderssein nicht vergessen. True colors.. kennst du das Lied? hör es dich vielleicht einmal an wenn du magst. Von Cat Stevens ist es besonders schön.
    Alles Liebe, deine Joy

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  9. Oh, vielen vielen Dank, ihr beiden. Ich freue mich einerseits natürlich, dass ihr das irgendwie versteht, auch wenn es mich gleichzeitig bedrückt. Leider geht es mir auch inzwischen nach einigem Durchdenken auch noch immer nicht besser und ich weiß gar nicht, wohin mit mir. Mensch. Aber danke, danke, danke :') Ihr seid so lieb!

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  10. Ich denke, nur jemandem, dem eine Leidenschaft (egal für was) wirklich wichtig ist, kennt das Gefühl, daran kaputt zu gehen und deswegen sein Dasein als sinnlos zu empfinden, weil man alles dafür gibt und nicht das zurückbekommt, was man sich erwünscht. Auch wenn das bei dir ne echt fiese Phase ist, ist es doch wahnsinnig toll, dass du etwas hast was dir so viel bedeutet, egal durch wie viele tiefen man gehen muss. Und ich bin mir sicher, dass sich dein Einsatz irgendwann auszahlt. Lass dich nicht entmutigen und Kopf hoch, du kommst da auch wieder raus :)
    Liebe grüße
    lyrica

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  11. Oh, danke, liebe Lyrica. Es stimmt schon, dass es eigentlich schön sein sollte, wenigstens so eine Leidenschaft zu haben, aber ich kann dem ganzen Zustand gerade leider gar nichts abgewinnen und glaube, dass ich lieber gar keine Leidenschaft hätte und dafür endlich mal in meinem Leben glücklich wäre - irgendwie. Ich hoffe auch, dass diese Phase bald wieder vorbei geht.

    Viele liebe Grüße

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  12. du hast echt einen so unglaublich tollen blog.. ich würde auch gerne diese kraft, den mut und diese kunst des schreibens besitzen.. :)

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  13. Vielen lieben Dank. Aber ich glaube, da gibt es wirklich nichts, auf das man neidisch sein könnte. Ich kann ja nicht wirklich etwas und es geht mir nur schlecht deswegen :')

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Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

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