Heute wollen wir fallen



»Heute wollen wir fallen, damit wir keine Angst mehr vor dem Morgen haben müssen.« Ich erinnere mich so deutlich, genau diese Worte immer wieder gemurmelt und ausgesprochen zu haben, und nun sind sie das einzige, das sich noch in den engen Raum meiner Gedanken quetscht, als ich aus einem Traum schlüpfe und denke, nach Jahren des Schlafes wieder zu erwachen. Heute wollen wir fallen, damit wir keine Angst vor vor dem Morgen haben müssen. Heute wollen wir Sterben, um nicht das Leid der Zukunft als Last auf unseren Schultern zu erdulden.
Schmerz. Nicht jetzt, nicht hier, aber so tief in meiner jüngsten Erinnerung. Ich hätte lieber sterben sollen, als all das ertragen zu müssen, was ich ertragen habe – nicht nur an diesem letzten Tag meines Wachseins, sondern immer. Lieber hätte ich für immer vergehen sollen, als ein Leben zu leben, das keines ist. Aber der Kernstaub in mir lässt mich nicht. Er lässt mich nicht los.
Kernstaub II - Weltasche - Kapitel 9

Heute gibt es von mir nur ein kleines, inspirierendes Video und einen Ausschnitt aus Weltasche, dem zweiten Teil von Kernstaub. Mit meiner Bachelorarbeit läuft es gut, auch wenn es mir zurzeit generell (seelisch) nicht so gut geht. Aber das ist bei mir ja eigentlich eher normaler Zustand. Ich freue mich schon auf die Zeit, die ich wieder bei meiner Familie verbringen kann und in der ich dann hoffentlich mit der Bachelorarbeit fertig bin - um mich dann wieder dem Schreiben zu widmen. Zurzeit habe ich das Gefühl, gar nichts anderes mehr machen zu wollen; am liebsten würde ich mich in meinem Zimmer einschließen und mich ganz meinen Texten und nichts anderem widmen.
Ich schreibe zurzeit immer wieder mit Menschen, deren Traum es ist, einmal etwas zu veröffentlichen und mir wird mehr und mehr klar, dass es genau das ist, worum es mir nicht geht. Viel eher glaube ich, dass ich nur in den Texten selbst Zufriedenheit finden kann. Und ich sehne mich unglaublich danach, einmal einen Text oder Roman zu schreiben, nach dem ich das Gefühl habe, alles gesagt zu haben - alles geschaffen zu haben, was ich schaffen kann; den finalen Punkt meines Lebens zu erreichen, an dem ich sage "Nun kann ich in Ruhe sterben"; ganz unabhängig davon, ob diesen Text je jemand lesen sollte oder nicht. Das ist das größte Ziel in meinem Leben, denke ich. Das wird mir in letzter Zeit immer klarer.

8 Kommentare:

  1. Der Ausschnitt aus Weltasche berührt.
    Ich bin jedesmal aufs Neue fasziniert von deinen Texten.
    Und das Lied ist auch toll. Seit ich es hier auf deinem Blog gehört habe, höre ich es rauf und runter.
    Die geht es da ähnlich wie mir- für mich ist der Sinn des Schreibens nicht, es jemals zu veröffentlichen, sondern das aufs Papier gebracht zu haben, nachdem alles gesagt ist, was zu sagen war. Dabei ist wirklich egal, ob es veröffentlicht wird oder nicht. Was zählt ist einfach das Schreiben an sich.

    Für deine Bachlorarbeit wünsche ich dir weiterhin viel Erfolg.

    Hab noch einen guten Tag.

    P.S. Dein Design ist auch wieder super. Wie machst du das nur immer?

    AntwortenLöschen
  2. Oh, vielen lieben Dank für - ja, alles. Freut mich, dass dir der Song und der Ausschnitt gefallen, das bedeutet mir wirklich in letztem Fall sehr viel. Ich fühle mich zurzeit eher sehr unglücklich mit meinen Texten, weil ich sehe, was alle Menschen um mich herum mit ihrem Schreiben erreichen und fühle mich mit meiner Einstellung irgendwie fehl am Platz und unnütz. Hm.

    Es freut mich aber sehr, dass du das verstehst. Danke!

    Und yay, wie toll, dass du das Design magst. Ich liebe den Winter so sehr <3

    Liebste Grüße,
    Marie

    AntwortenLöschen
  3. Ich denke mehr Menschen sollten so bei ihrem Schreiben empfinden. Du sagst fehl am Platz und unnütz? :) Also wirklich Marie, weißt du eigentlich wie schön es ist dass du diesen Gedanken hast? Ich finde jeder Autor sollte so über seine Texte denken, klar ist es schön zu sehen wenn man Erfolg hat und es veröffentlichen kann. Zu sehen dass man viele Menschen damit erreichen kann. Aber im Grunde geht es doch auch darum ob man am Ende wirklich mit dem zufrieden ist was man geschaffen hat. Erfolg ist wahrlich nicht alles und es ist cool dass du dir dessen bewusst bist.

    Dadurch dass du selbst diesen einen Text oder diesen einen Roman schreiben möchtest, treibst du denn Sinn dahinter in ungeahnte Ebenen. Ich find es wunderbar.

    Also solltest du nicht denken es wäre fehl am Platz oder unnütz.

    Ach und du kannst mir glauben es wird auch genug Menschen geben die versuchen werden, sofern sie es jemals lesen sollten, das zu verstehen was du am Ende ausdrücken wolltest.

    Und wenn ich schon dabei bin, ich habe das Lied mit genug Gänsehaut gefeiert, es ging richtig unter die Haut und zu deinen Texten muss ich nichts großes hinzufügen, außer vielleicht -> <3

    Daryl over and out!

    AntwortenLöschen
  4. Wow, danke für deinen lieben und ausführlichen Kommentar, Darly <3

    Ich denke auch, dass mehr Menschen so empfinden sollten, weil ich Schreiben nur wegen des Veröffentlichens Willen schrecklich finde und denke, man verkauft am Ende mit seinen Werken auch sich selbst.

    Es freut mich sehr, dass dir der Song gefallen hat. Mich berührt er auch immer wieder sehr und es freut mich, wenn ich solche Dinge mit andren teilen kann. Wie schön :)

    AntwortenLöschen
  5. Du sprichst mir aus der Seele. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit zum Schreiben. Dann würde ich mich gewiss auch oft besser fühlen. Hab oft starke Verlustängste und das Schreiben hilft mehr sehr darüber hinweg. Deine Texte sind super schön und immer, wenn ich sie lese, bekomme ich das Bedürfnis, auch gleich wieder zu schreiben :)

    AntwortenLöschen
  6. Stimmt, das Schreiben schafft es am Ende irgendwie immer, alle Gefühle und Gedanken zu verarbeiten - als hätte man einen Kanal, durch den man all das kontrollieren und herauslassen kann. Ich hoffe, dass du bald wieder mehr Zeit zum Schreiben findest und es dir vielleicht wieder besser geht. Es freut mich unheimlich, dass meine Texte dich zum Schreiben anregen, Mensch. Das ist wirklich das größte Lob <3

    AntwortenLöschen

 

Lernt mich kennen

Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

Erinnerungen

Die Bücher

Aufrufe

Instagram

Follower