Filmvorstellung. Die Tribute von Panem


DIE TRIBUTE VON PANEM - THE HUNGER GAMES

Buchverfilmung: Suzanne Collins: Die Tribute von Panem - Gefährliche Spiele
Regie: Gary Ross
Kinostart: 22. März 2012
FSK: ab 12freigegeben
Laufzeit: 2 Stunden, 22 Minuten

I N H A L T
In der nahen Zukunft ist die USA zusammengebrochen. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden, geführt von einer unerbittlichen Regierung, die jedes Jahr grausame Gladiatorenspiele veranstaltet, bei der nur eine einzige Person überlebt. 24 Jugendliche aus 12 verschiedenen Distrikten nehmen an den Spielen teil. Als die kleine Schwester der sechzehnjährigen Katniss (Jennifer Lawrence) antreten soll, nimmt Katniss ihren Platz ein. Ebenfalls ausgewählt wurde der Junge Peeta (Josh Hutcherson), den sie seit ihrer frühesten Jugend kennt. Obwohl sie befreundet sind und Peeta ihr vor Turnierbeginn sogar seine Liebe gesteht, verlangen die Regeln des Spiels, dass sie von nun an Feinde auf Leben und Tod sein müssen. Zusammen versuchen sie, die Regeln zu umgehen und gemeinsam lebend dem perfiden Spiel zu entkommen ...



T R A I L E R



M E I N E   M E I N U N G
Achtung, diese Rezension enthält Spoiler. Wenn ihr den Fortgang der Geschichte noch nicht kennt und auch noch nicht kennen wollt, dann scrollt lieber zum Fazit hinunter.
Diese Buchverfilmung zählt wohl eindeutig zu den von mir am meisten erwarteten Filmen dieses Jahres. Seit Monaten habe ich diesem Streifen entgegen gefiebert, habe die Besetzungen mit Feuereifer verfolgt, jede noch so kleine Information aufgesaugt und die Spannung wuchs und wuchs ins unendliche. Als ich den Film dann nicht gleich zum Start am letzten Donnerstag sehen konnte, war die Enttäuschung natürlich groß und ich musste mich mit all den hervorragenden und lobenden Kritiken begnügen, die selbst strenge Filmportale verfassten. Von Oscars war da die Rede, von unglaublichen Leistungen von Schauspielern und Filmemachern. Und zugegeben hatte ich bis dahin immer gehofft, der Film würde gut werden, nach diesen Texten war ich sicher: Er muss ein Meisterwerk sein. Dank meiner maßlos übersteigerten Erwartungen, verließ ich das Kino gestern Abend dann jedoch mehr als ernüchtert ...

Der Film beginnt mit interessanten und gekonnten Momentaufnahmen aus Distrikt 12, die mir sehr gut gefallen haben. Armut, Hunger, harte Arbeit, Kampf ums Überleben und gleichzeitig doch die Liebe zwischen zwei Schwestern, Katniss, die auf ihre jüngere Schwester Prim Acht gibt und alles für sie tun und opfern würde. Das hat mir sehr gut gefallen, mit stimmigen, knappen Eindrücken und Szenen gelingt des Regisseur Gary Ross die Stimmung des Distrikts einzufangen und gleichzeitig das starke Band zwischen den Schwestern aufzuzeigen, die Schwäche von Prim und die Stärke von Katniss, die sich dazu verpflichtet fühlt, ihrer Schwester zu helfen.
Die folgende Ernte: Surreal und entrückt, voller Stille und Schrecken, die kunterbunte Effie, die mit ihrer hell überspitzen Stimme die Jugendlichen aufruft, die in die Arena zum Sterben geschickt werden sollen. Musik wird nur punktuell eingesetzt und Schweigen untermalt die grauenvollen Szenen voller Angst - Das hat mir gut gefallen, ist stimmig und passend. Das große Herzklopfen bei der Auswahl der Tribute aus Distrikt 12 blieb bei mir leider trotzdem aus, obwohl Jennifer Lawrence als Schauspielerin nicht nur hier sondern auch im Rest des Filmes wundervoll und passend ist, sowohl in den trockenen als auch in den emotionalen Stellen.

 

Mit der Ankunft im Kapitol war aber leider auch schon fast alles, das ich an diesem Film gut fand, vorüber, dabei halten sich die Macher doch so wunderbar an die Vorlage des Buches. Was ist also das Problem? Für mich liegt es auf zwei Hauptpunkten. 
1. Der Film ist ab 12 und somit vollkommen weich geklopft, Szenen, die eigentlich hätten erschreckend oder spannend sein sollen, sind mehr als matt und ermüdend - Darauf gehe ich später noch genauer ein.
2. Der Film hat keine eigene Magie, keine eigenen Ideen. Ja, er hält sich an das Buch. Ordentlich abgefilmt, würde ich sagen, aber keine Spur von Innovation, von Ideen, keine unerwarteten Momente, keine Wow-Effekte. Das macht ihn austauschbar, in meinen Augen in allen Punkten. Aber gehen wir der Reihe nach vor.
Die Ankunft im Kapitol also. Die Menschen, die im Buch als surreal und viel zu bunt beschrieben werden, sind es auch im Film, ein bunter Haufen grotesk geschminkter Menschen, die im Kopf nicht so ganz die Hellsten sind. Was im Buch aber nicht nur verstörte, sondern den Leser auch aufgrund all dieses Luxus' wütend machte, wirkt im Film cartoonhaft unpassend, lachhaft, als wäre man zur Faschingszeit in ein Irrenhaus gestolpert. Ich habe immer wieder, wenn ich die Leute aus dem Kapitol gesehen habe, wirklich lachen müssen - jedoch nicht, weil ich diese Menschen so lächerlich fand, sondern die filmische Umsetzung, die dermaßen maßlos übertrieben war, dass es schon fast an Satire grenzte.
Neben den Friedenswächtern, die aussehen, als wären sie gerade erst vom Star Wars Set hereingestolpert und den Kapitol-Clowns kann auch die Szene der Einfahrt der Tribute auf ihren Pferdewagen optisch nichts hermachen, im Gegenteil war die Szene mit dem "Mädchen, das in Flammen steht" eine der enttäuschendsten des Filmes für mich. Abgesehen davon, dass die Feuer-Animation eher lächerlich als beeindruckend wirkte, machte die Szene auf mich den blassen Eindruck, als hätten sich die Filmemacher kurz vorher erst "Gladiator" angesehen und spontan entschlossen, dass man was Innovativeres ja eigentlich auch nicht braucht. Wenn dann der Weihnachtsmann (alias President Snow) von seiner Tribüne aus die Tribute Willkommen heißt, lässt sich nur hoffen, dass zumindest der Part in der Arena irgendwie noch aufregend werden könnte.


Pluspunkt war für mich dann Stanley Tucci, der als Showmaster einen herrlichen und glaubwürdigen Auftritt hinlegt, der zwischen Witzigkeit und Schrecklichkeit schwankt - passend. Der optische Hingucker des Filmes sind dann die Szenen im Kontrollraum, die toll und futuristisch wirken - Schade, dass das die einzige zumindest halbwegs innovative Idee ist, die man hier finden kann.

Und dann ab in die Arena, in der es dann so richtig spannend wird - für die Zwölfjährigen unter uns. Szenen, die eigentlich von der Schrecklichkeit der Brutalität des Kampfes zeugen sollten, sind wunderbar auch für die jüngsten unter uns weichgeklopft bis zum Geht-nicht-mehr und wenn in der Kampfszene am Füllhorn die ersten Jugendlichen getötet werden, entlockt sich dem erwachsenen Menschen leider nur ein müdes Gähnen. Das ganze Kameragewackel - eigentlich ein interessantes, wenn auch schon allzu bekanntes, Stilmittel - dient dabei natürlich wunderbar der Verschleierung von allem, das irgendwie nach Blut oder Wunden aussehen könnte, selbst die Szene mit dem Jägerwespennest, die ganz gut war, konnte an den sonst eher lahmen Arena-Szenen nichts ändern.
Was mir wiederum gefallen hat, war das Zusammenspiel von Katniss und Rue, in wenigen Szenen sind die beiden sich schon sehr vertraut und besonders die kleine Rue wächst einem ans Herz. Die Stelle des Filmes, die emotional wohl am berührendsten war, stellte der Aufstand dar, der sich nach Rues Tod in Distrikt 11 auftut, ein gekonntes Aufflammen von Emotionen, die der Film abgesehen davon so schmerzlich vermisst.

Besonders wundervoll und daher erwähnenswert auch: Das Finale in der Arena. Nicht. Damit es auch für die kleinen Zuschauer nicht allzu gruselig wird, sind die "Mutationen" am Ende keine Mischungen aus den verstorbenen Tributen und anderen seltsamen Geschöpfen, sondern einfach nur hässliche Hunde. Aufgetaucht, ein bisschen an Cato herumgenagt und wieder abgezogen, die so verstörende finale Arena-Szene, in der Katniss und Peeta auf dem Füllhorn sitzen und darauf warten, dass die Sonne aufgeht und Cato stirbt dauert kaum 10 Sekunden.

Als hätte man es nicht erwarten können, die Sache zu Ende zu bringen, dauert der Film dann nur noch wenige Minuten an, man schustert sich mit einem mehr oder weniger epischen Abgang von President Snow noch rasch ein offenes Ende und vorbei wars.



F A Z I T
Die Frage ist ja: Warum soll ich mich besonders für einen Film anstrengen, wenn ich eh schon eine feste Fangemeinde habe? Oder: Warum soll ich mir innovative Dinge einfallen lassen, wenn ich auch einfach dermaßen viel Geld für Marketing ausgeben kann, dass am Ende eh alle denken, ich hätte irgendwas ganz Besonderes geschaffen?
Ich habe noch nie einen so schlimmen Verriss geschrieben, aber ich bin einfach dermaßen enttäuscht. Dieser Film ist eine ganz gute Buchverfilmung, keine Frage, aber er ist austauschbar. Spannung ist sicherlich Geschmackssache und auch wenn ich sie zu keiner Zeit gefühlt habe, kann ich mir vorstellen, dass es bei anderen so sein könnte. Aber selbst, wer sich unterhalten gefühlt hat, kann nicht leugnen, dass dieser Film nichts Neues bietet - Die wenigen Musik-Einschübe waren so abgelutscht, dass sie den Film auch gleich ganz still hätten lassen können, das hätte mir besser gefallen. Die Leistungen der Schauspieler, die man wirklich loben kann, können leider auch nicht über das fehlen von Ideenreichtum und Innovation hinwegtäuschen.

Star Wars Friedenswächter treffen sich mit Irrenhaus-Clowns, um Gladiatorenwagen bei der Einfahrt zuzusehen, selbst Katniss läuft vor den schlechten Feuer-Animationen davon. Wer schon immer einmal dabei zusehen wollte, wie Jugendliche einander in einer Arena "abschlachten" (der Film wäre erschreckender gewesen, wenn sie sich zu Tode gestreichelt hätten) und dabei nicht die Anwesenheit seiner 12-jähirgen Mitbürger missen möchte, für den wird dieser Film genau das Richtige sein.

11 Kommentare:

  1. Danke!Danke!Danke!
    Ich hatte schon die ganze Zeit die Befürchtung ich hätte einen anderen Film gesehen, weil scheinbar absolut jeder außer mir den Film so toll fand.
    Kann dir in allem nur zustimmen, bin super enttäuscht gewesen!

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  2. Stimme die in den Großteil deiner Punkte zu. Mich hat's verwundert, dass jeder so begeistert davon war und wehe ich hab was dagegen gesagt, hieß es gleich, ich fixiere mich zu sehr aufs Buch und sie könnten ja nicht alles wie im Buch machen.

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  3. ui! Ich wollte den Film auch gerne sehen (Freunde sind aber dann halt doch nicht immer das, was man von ihnen denkt) und werde das vermutlich in den nächsten Tag mal nach holen - online.
    Ich muss eigentlich sagen, dass ich mich sehr auf die Musik gefreut hatte. Die fand ich im Trailer total toll.
    Ich bin mal gespannt, ich habe weder die Bücher gelesen, noch den Film bisher gesehen (:

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  4. Ich glaube meine Meinung wird genauso ausfallen wie deine. Ich habe nämlich auch das Gefühl, dass es zwar eine spannende Okay-Buchverfilmung ist, aber austauschbar ist. Mal sehen, nächste Sonntag sehe ich ihn mir an. Danke für deine Rezi, ich finde sie nachvollziehbar als Außenstehende :)

    LG

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  5. Schade :( Aber eigentlich hatte ich mir sowas schon gedacht, Buchverfilmungen können mit ihren genialen Vorlagen oft einfach nciht mithalten!! Ansehen werde ich ihn mir natürlich trotzdem ;)

    Liebe Grüße!
    P.S.: Wir haben dich getagged! :)

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  6. das Kameragewackel hat auch mich echt gestörrt. Ich hab' das Buch noch nicht gelesen (werde das aber bald tun) und hatte eigentlich keine besonderen Erwartungen an den Film, vielleicht fand' ich ihn deswegen so verdammt gut.

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  7. Also für mich war dieser Film leider auch die totale Enttäuschung. Von Spannung war hier absolut nichts zu finden, alles total verharmlost und zu sehr auf 12-Jährige zugeschnitten. Die einzige Szene die ich wirklich gut und emotional fand war wirklich Rues Tod. Den Rest kann man leider getrost in die Tonne klopppen :/ Schade, ich hatte mir etwas besseres von dem Film erhofft. Da ist selbst der erste Twilight Film besser.

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  8. Nachdem ich deine Rezension dazu gelesen habe, musste ich mich sofort hinsetzen und ihn ansehen, weil ich mich selbst davon überzeugen wollte, wie er ist... und er ist langweilig und lächerlich. Schon nach einer halben Stunde hatte ich absolut keine Lust mehr und konnte mich nur noch mit gutem zureden vor dem Bildschirm halten. Ich fande auch, dass viele Szenen total lächerlich und nicht erschreckend oder ernst oder spannend waren. Mir kam es irgendwie so vor, als ob vor der Arena alles in die Länge gezogen und als sie dann dort waren alles zusammengerafft und im Schnelldurchlauf abgespeißt wurde. Dass das Ende so kurz war, fande ich nicht so schlimm, da ich einfach nur froh war, dass es endlich zu Ende war! Ich glaube nicht, dass ich den FIlm richtig verstanden hätte, wenn ich das Buch nicht gelesen hätte. Vielleicht, weil ich auch nur mit halbem Ohr zugehört habe, aber naja, auch so wäre er nicht besser geworden. Und geht es nur mir so oder hat irgendwer auch das Gefühl, dass Rue von einem Junge gespielt wurde? (Ist das denn so?) Okay, ich sollte aufhören so viel zu schreiben, auch wenn mir noch massenweiße auf der Zunge liegt...
    Schöne Grüße!

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  9. Oh Marie, ich muss dir vollkommen zustimmen! Selbst mein Lieblingsfilmkritiker wirkt bestochen, dass er den Film gutlobt *seufz*
    Ich hab das Buch nicht gelesen und kann nur sagen, dass ohne diesem Hintergrundwissen, das man ausm Buch hat, alle wichtigen Fragen einfach übergangen wurden! Einzig bleibt zurück Liebe und Freundschaft. Dabei ist der Film toternst eigentlich! Was ist mit der Schuld dass die Jugendlichen Morden? Mit den schrecklichen Bildern die sie im Kopf haben? Mit der Gewalt, der Hoffnungslosigkeit, dem Irrsinn? Alles einfach übergangen.
    In einem Punkt muss ich dir nur wiedersprechen: Die Aufbruchsstimmung in der Revolutuionsszene ist an unserem (gesteckvollen) Kinosaal total vorbei gegangen. Ton in Ton lief der Film weiter. Nur bei der Schlussszene brachs dann vollkommen ein, und alle haben über Popcorn und Cola laut geredet. Spannung null.

    Wie du sagst - sehr schade um das Material!

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  10. Huhu Marie,

    Ich wollte ja gerne deine Meinung hören und jetzt komme ich zu einer kleinen Antwort :)

    Schade, dass er dir scheinbar so gar nicht gefallen hat ... Besonders eben auch, weil du dich so darauf gefreut hast.
    An einigen Stellen deiner Rezension musste ich wirklich schmunzeln, weil du es doch sehr amüsant geschrieben hast.

    Aber nun ja. Mir hat er eigentlich schon gefallen. Aber Geschmäcker sind verschiedene und vielleicht spielte die hohe Erwartung irgendwie auch mit hinein ...

    Liebe Grüße
    Jojo

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  11. Ich hab das Buch nich gelesen, finde den Film abe realtiv packend umgesetzt. Dramaturgisch nicht überwältigend, aber wer kann schon Jennifer Lawrence' Hundeblick wiederstehen? Ich fand Stanley Tucci und den Moderator ganz gut, auch Lenny Kravitz hat Gutes abgeliefert :-)

    Deine Kritik ist echt geil! So detailliert :-)

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Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

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