Wir tropfen

Die Erde hat viele Kinder, aber ihr am liebsten sind die Bäume: Ihr ganzes Leben lang recken sie sich Tag für Tag  höher nach den Wolken, denen sie die Hand reichen und gleich sein wollen. Doch selbst in ihrer Unsterblichkeit erreichen sie die Weiten des Himmels nie.
Und wir fällen und verbrennen sie. Und aus unseren Schornsteinen dringen ihr Staub und ihre Asche und sie steigen höher und höher auf, in die Reiche der Luft, bis sie selbst zu Wolken werden.
(Aus meinem Roman "Die Sterblichkeit der Bäume")


Leid. Ich bin es leid, so viel zu reden und so viel zu schreiben und doch immer nur auf taube Ohren zu stoßen, immer nur an Menschen zu geraten, die mich seltsam oder lustig finden, deswegen, aber an niemanden, der sich wirklich das durchliest, was ich schreibe. Und damit meine ich lesen. Lesen. Nicht nur den Text mit den Augen überfliegen als wäre er der neuste Klatsch aus dem Morgenblatt, ihn nicht nur lesen und ihn als das sehen, was er zu sein scheint. Nein, ihn lesen und versuchen zu verstehen. Ihn zu verstehen - und mich. 
Es gibt so viele Menschen auf der Welt. So viele. Ich weiß, dass ich nur einer unter ihnen bin, dass mein Leben nicht mehr bedeutet als das eines anderen und dass nicht jeder Zeit haben kann, sich mit mir zu befassen. Ich will nicht, dass sich alle mit mir befassen. Ich will nicht einmal, dass sich zehn Personen mit mir befassen, nicht fünf, nicht zwei. Nur eine. Nur eine.

Wir sind kleine Menschen in einer kleinen Welt, aber für mich scheint sie manchmal zu groß. Denen, die leise sprechen, hört doch schon so lange niemand mehr zu.


4 Kommentare:

  1. Oh mein Gott. Ich weiß nicht, woher du deine Inspiration nimmst oder ob du schon von Natur aus mit einer solchen Gabe beglückt wurdest- jedenfalls ist nicht nur immer die Idee und der Gedanke hinter deinen Sätzen einzigartig, tiefsinnig und von der Sorte, die einen aufhorchen und nachdenklich in die Höhe blicken lässt, sondern auch in solch einfühlsame, wunderbar treffende und atmosphärische Worte gehüllt, dass ich nur seufzen kann. Ich wünschte, ich könnte meine Gedanken nur annährend so treffend in Worte packen... Handelt es sich bei "Schneelichter" um ein Extraprojekt oder hängt es mit "Kernstaub" zusammen, wenn ich fragen darf? Naja, ganz gleich, aus welchen deiner Werke diese kleinen Zitate stammen, sie hauen mich fast immer um.

    Aber auch deinem unten geschriebenen Text kann oder muss ich leider, leider zustimmen. Je größer die Welt wird, umso oberflächlicher scheint sie zu werden, umso mehr wird jeder einzelne seiner eigentlichen Individualität beraubt, weil niemand sich mehr die Mühe macht, hinter die Fassade zu blicken. Obwohl "niemand" wohl zu schwarzmalerisch ist- Ich glaube fest, dass es immer noch vereinzelt Personen gibt, denen es nicht zu "anstrengend" ist, - wie du es ausgedrückt hast - den leisen Stimmen Beachtung zu schenken.

    Es freut mich ungemein, dass unteranderem meine Rezension zu "Delirium" dich zum Kauf bewegen konnte. Ich hoffe nur, dur wirst meine Lobeshymnen nachvollziehen können und wirst nicht enttäuscht. Zwar kenne ich deinen Buchgeschmack nicht genau, aber was den Schreibstil betrifft, der meiner Meinung nach teilweise genauso bildhaft ist, wie ich ihn in deinen kleinen hier geposteteten Auszügen empfunden habe, wirst du - vermute ich - nicht enttäuscht sein. Ich bin jedenfalls mal gespannt, was du davon halten wirst. :)

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  2. Auf die Gefahr hin, dass ich mich blamiere: Aber was sind denn Directions? :D
    Ich kenn mich wirklich absolut null mit Färben und so aus... :D Aber ich kanns verstehen, dass es auf Dauer teuer wird, wenn der Ansatz immer neu gemacht werden muss. Das ist jetzt das Gute bei diesem Dip Dye Zeug: Ich kann auch noch n halbes Jahr damit rumlaufen und es sollte gleich aussehen...naja, bis auf die Spitzen, die dann doch irgendwann absollten :D

    Ich find das Zitat aus "Schneelichter" wunderschön!

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  3. Ich danke dir :) Wirklich. Weil du einfach genau auch die Worte triffst, dich ich nicht finde.

    Man muss laut sein um Gehör zu finden, die richtigen Worte finden in einem Meer von Irrsinn. Es ist so unglaublich schwer durch das Leben zu gehen. Ich verzweifel auch des öfteren daran. Ach, ich weine bei deinen Worten. Es ist bei mir so. Ich möchte nicht, dass mich 100 Augenpaare anstarren, mir reicht eins. Und das schaut in die andere Richtung, dreht sich weg von mir. Oh man, ich leide mit...

    Alles Liebe für dich :) ♥

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Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

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