Gedankenkörper: Der Sinn des Lebens


Gedankenkörper
oder
Wie ich bei einem nächtlichen Spaziergang
den Sinn meines Lebens erkannte



Der Großteil der Menschheit lebt ohne Sinn.
Sie lebt, läuft, arbeitet, lernt, feiert, liebt, lacht ohne Sinn. Wir werden alt ohne zu suchen. Wir existieren ohne zu fragen. Sie existieren ohne zu fragen.
Ich nicht.
Ich schon so lange nicht mehr.
Vielleicht weil ich zu oft allein bin und zu viel denke. Vielleicht auch einfach nur so, weil etwas mit meinem Kopf nicht stimmt. Ich kann nicht leben ohne Grund, weil ich all das hier nicht verstehe, weil all das so grausam ist. Für mich. Nicht immer. Nein, doch. Doch immer.
Ziellos dahinvegetiert, einem Traum geopfert, der nicht Wirklichkeit werden kann. Und wird er es doch, kommt der der nächste Traum und der nächste und der nächste und der nächste … Es gibt kein Ziel, kein Ende vor dem Tod, es gibt nur Ebenen, Etappen, Stücke. Plätze, an denen man kurz rastet, um dann weiterzuhasten, weiterzuhasten, weiterzuhasten, bis man irgendwann mitten auf der Laufbahn umkippt, um nie wieder aufzustehen.
So ist es immer. Bei allen. Es ist schön, ihnen zuzusehen, ihren unerschütterlichen Glauben zu fühlen, die Hoffnung, irgendetwas zu finden, wofür sich das Laufen lohnt.
Ich laufe nicht, ich stehe herum, gehe manchmal ein paar Schritte, weil ich muss oder weil mich jemand mit sich zieht, aber ich laufe nicht. Es gibt kein Wohin.
Ich will nichts besitzen, ich will nichts erreichen, weil einfach der Gedanke, die Vorstellung so viel schöner ist, als alles, das es gibt; weil es viel perfekter ist, sich die Dinge vorzustellen, als sie zu besitzen und vom nächsten Traum ablösen zu lassen.
Ich gehe in einer Welt, in der ich nicht ich bin, ich nicht ich sein will, weil meine Vorstellung von mir sich so sehr von dem unterscheidet, was ich wirklich bin, dass ich es nicht fassen und nicht beschreiben kann. Ich bin keine leere Hülle, vielmehr bin ich viel zu voll, voll von all den Personen, die ich mir vorstellen kann zu sein. Ich bin zwei, drei, vier, unendlich viele, während mein Körper sich einfach nur bewegt, den fahlen Widerschein oberflächlicher zwischenmenschlicher Beziehungen führt, das Scheinleben aufrecht erhält, während ich selbst immer weiter abdrifte.
Ich will nichts besitzen, ich will nichts erreichen, einfach weil ich es mir besser vorstellen kann. Ich will in einen Raum eingeschlossen werden, nur mit Stift und Papier, in dem niemand von mir erwartet, etwas zu tun.
„Aber das bringt doch niemanden weiter“, sagt ihr.
„Sinnlos leben bringt auch niemanden weiter“, sage ich.
Ich bin meine Gedanken. Und ich lebe nur, weil meine Gedanken einen Körper brauchen.

2 Kommentare:

  1. Hmmmm ... ich weiß gar nicht wirklich, was ich dazu sagen soll. Wahr, finde ich, auch wenn es mir nicht zu 100 % so geht wie dir. Deine Ansichten erinnern mich ein wenig an meinen Bruder, der sieht das - glaube ich - auch ähnlich.
    Auf jeden Fall interessant ... der Sinn des Lebens *grübel* So eine schwierige Überlegung, die größte überhaupt, finde ich ja.

    AntwortenLöschen
  2. Hey Juls! Danke fürs Lesen :)

    Ja, wenn ich den Text im Nachhinein so lese, klingt es, als hätte ich keine Freunde und kein schönes Leben. Na ja, ich weiß auch nicht, warum ich manchmal diese Gedanken hege, aber in leeren Momenten brauch ich oft einen Sinn und einen Halt, an den ich mich klammern kann :)

    Danke :3

    AntwortenLöschen

 

Lernt mich kennen

Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

Erinnerungen

Die Bücher

Aufrufe

Instagram

Follower