Zerfressen

So viele Lügen.
Die Prophezeiung hat sich selbst erfüllt, die einzig endlose Möglichkeit erreicht und der, der dich verletzt ist immer der, den du liebst. Es gibt Sätze, die du nicht sprechen kannst, weil deine Zunge sie nicht sprechen will und einige Sätze, die du nicht verstehen kannst, weil dein Gehirn bei dem Versuch versagt, einen Sinn in den Gedanken zu bringen und aus deinem Mund kommt am Ende nur ein Schwall Blut und ein erstickter Schrei nach dem, was du eigentlich hasst, aber nicht hassen kannst.
Die Ebenen schälen sich und ist die unterste Schicht erreicht, siehst du dein Leben vor dir. Und es ist, als würdest du dich in den schwarzen Zug setzen, die Musik einschalten und dir vorstellen, wie es wäre, wäre dein Leben so, wie deine Gedanken es sich erträumen. Als würdest du versuchen, etwas zu erreichen, das du sehen kannst, zumindest vor deinem geistigen Auge. Du siehst es und kannst es nicht erreichen, aber das weißt du nur manchmal, wenn du für ein paar Tage verlernt hast zu verdrängen und dein Geist zerfressen wird von all den Dingen, die du versucht hattest zu vergessen, die aber nicht vergessen werden können, weil sie immer bei dir sind, weil sie dich immer belasten und erinnerst du dich ihrer, ist es zu spät, um dich ihnen noch zu stellen und du brichst unter der endlosen Last zusammen. Tausend Tode bin ich gestorben und lebe immer noch, Millionen Leben hab ich gelebt und bin schon immer tot und blind und taub und deswegen kann mich niemand mehr sehen. Jetzt nicht mehr.
Vor mir 54. Orangene Punkte auf der dreckigen Glasscheibe. Sie wären auch lieber schon daheim. Und wenn alle Sterne jetzt vom Himmel fielen wie feurige Kugeln, dann hätten wir keinen Ort mehr, an den wir gehen könnten; wenn sie uns und unsere Häuser zerschmetterten und wir ins Wurmloch gesogen würden, aus dem wir uns immer und immer wieder retten müssen, ohne es zu wissen.
Ich will da raus. Ich will hier raus und es zum Laufen bringen
Wenn die Sonne und Schnee das Gras faulen lassen, die Fliegen die Luft erfüllen und in deine Lungen kriechen, um dich von dort aus zu fressen. Ich huste nur Blut, aber der Wischer auf der Windschutzscheibe, fegt es hinfort, als wären es wieder nur Wassertropfen. Ich könnte aussteigen, aber etwas sagt mir, dass der Weg noch lang sein wird. Ich höre deine Stimme und sie sagt immer wieder »Hol mich zurück. Ich kenne deinen Namen, ich weiß nicht, wo ich bin.«
Versklavte Welten, blinde Schimmer auf trockenem Sand, weiße Augen, starrend auf die Unendlichkeit gerichtet. Bäume, die ihre Blätter nie verlieren, aber immer alt und kahl aussehen. Wir haben keine Zeit, wurden gesendet vom zerrendem Wind, der unsere Worte nur an unsere eigenen Ohren dringen lässt und so denken wir, wir seien besonders, würden etwas verändern, aber das einzige, was wir verändern, sind wir selbst. Denn wir haben die Einsamkeit selbst gewählt und könnten uns aus ihr befreien und so lange wir es nicht tun, soll sich niemand anderes dafür interessieren dürfen. 512. 2403.
Und du verstehst nicht, dass ich diese Worte nicht für dich schreibe. Du sollst sie gar nicht lesen, denn sie sind über dich. Du stehst auf der Straße, bist von der Haltestelle gesprungen, weil du dachtest, als Auto wärst du schneller, weil du Angst davor hattest, weiter zu warten. Und wir zogen die Autos aus dem Fluss, den der Regen geschaffen hatte und der alles reinigte und eigentlich fanden wir es gut, dass alle tot waren, auch wenn man von uns erwartete zu trauern.
Und schon im nächsten Moment möchte ich wirklich weinen, echte Tränen vergießen, nicht weil ich traurig bin, nicht weil ich mich selbst verachte, sondern weil ich will. Ich habe nie versucht, jemanden zu retten und ich weiß nicht, ob es ich je tun würde.
Wir sind Sterne eingegraben in den Tiefen der Erde, Vögel auf dem Boden und dort werden wir immer bleiben, denn man erlaubt uns nicht zu fliegen.

2 Kommentare:

  1. Hm ... ganz schlau werde ich daraus nicht, aber es klingt sehr traurig und düster ...
    Ich würde mir für das "Ich" im Text wünschen, dass es ihm bald besser geht :)

    *knuff*

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  2. Danke für deinen Kommentar :)
    Nun ja, schlau werden muss man daraus wohl kaum, das ist ein Gedankensplitter. Den schreibt man ja, ohne darüber nachzudenken und trotzdem spiegelt er ... sehr viel wieder :')

    Der hier ist schon etwas älter, trotzdem aber wieder sehr aktuell für mich ... -sigh-

    Danke :')

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Ich bin Marie Graßhoff, 26. Autorin, Bloggerin, Designerin, Booknerd & Social Media Mensch. Verfolgt mich auf meinem Weg durch die Welt und lasst euch in das Märchen meines Lebens entführen.

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